Was ist dieses Verlangen? von Zen-Meisterin Hyon Ja

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Aus einem Dharma-Vortrag im Providence Zen Center.

Oft denken wir: „Ich will kein Verlangen haben.“ Der Buddha hat gesagt, Verlangen, Ärger und Unwissenheit sind die drei Dinge, die unser Leben zerstören können. Also versuchen wir, das Verlangen herauszunehmen.

Aber Hingabe heißt nicht, sich nur dem Schönen hinzugeben. Hingabe heißt: alles, was erscheint. Das Gute und das Schlechte. Verlangen und kein Verlangen. Ärger und Freude. All das gehört zu unserem Leben. Wenn wir einen Teil herausnehmen, werden wir klein. Das ist alles.

Und dein Verlangen ist nicht meines. Diego, der neben mir sitzt – sein Verlangen ist Eis. Meines auch. In manchem sind wir uns also ähnlich.

Aber Verlangen kann auch sehr unangenehm werden. „Da ist etwas in mir, und wie gehe ich damit um?“ Vielleicht ist es nicht einmal dein Verlangen. Wenn wir in diesem Raum zusammen sitzen, sind wir einander viel näher, als wir glauben. Wo hört mein Knie auf und wo fängt Diegos an? Hier? Oder hier? Oder waren sie immer schon verbunden? Das lässt sich nicht festlegen. Darum spüren wir einander in diesem Raum: Hunger, Müdigkeit am Ende des Tages, einen unruhigen Geist. Und ganz feine Ströme, die in uns allen fließen.

An dieser Stelle muss ich euch eine lustige Geschichte erzählen. Bevor ich zu einem langen Solo-Retreat aufgebrochen bin, habe ich Zen-Meister Dae Kwang gefragt, mit dem ich in genau diesem Raum praktiziert habe, was mich erwartet. Er sagte: „Es ist nicht das Alleinsein. Es ist nicht das ewig gleiche Essen. Es ist, wenn dich jemand oder etwas berührt.“ Na ja. Ich habe mexikanische Großmütter. Also habe ich am ersten Tag ganz laut in den Raum gesagt: „Ich weiß nicht, wer hier drin ist, aber wehe, du rührst mich an!“ Nichts hat mich in diesem Retreat berührt. Anderes ist passiert, genauso seltsam, aber nicht das. So arbeitet unser wunderbarer Geist.

Was ist also deine Aufgabe in diesem Moment? Mit Verlangen umzugehen ist Funktion. Es ist Praxis. Komm zurück und frag: „Was ist dieses Verlangen?“ Und dann lass es. Setz keine Antwort hinein. „Ah, es ist das, und diese Person, und so weiter.“ Frag einfach, mit ganzem Herzen. Mit Intensität, aber ohne Urteil. Kein Moralisieren. Das steht nur im Weg.

„Was ist dieser Schmerz, den ich gerade spüre? Was tue ich jetzt?“ Weiß nicht.

Dieses Weiß-Nicht heißt nicht, dass du hilflos bist. Es heißt einfach Hingabe. Du gibst die Frage diesem Geist. Vielleicht ist es nicht nur dein Geist. Vielleicht sind wir ein Geist. Wo hört mein Geist auf und wo fängt Diegos an? Wann sind sie je auseinandergegangen?

Wenn du sitzt, nimm dir Zeit für das, was auftaucht. Warum hat mir meine Großmutter das nicht vor vierzig Jahren gesagt? Warum ist meine Mutter gestorben, als ich so jung war? Ich war so allein. Was ist allein? Antworte nicht. Leg die Frage einfach in diesen Geist. Es ist, als würdest du Indras Netz berühren, die große kosmische Trommel. Und es gibt einen Lohn. Vielleicht dauert es zehntausend Jahre, tut mir leid, aber er kommt. Wir sind ja ohnehin gemeinsam unterwegs.

Verlangen ist der Geist, dem nie etwas genug ist. Immer auf der Suche nach mehr. Hier ein bisschen drehen, dort ein bisschen kochen, da etwas dazumischen, und schon bin ich Alchemistin meines eigenen Lebens. Und doch kannst du es einfach loslassen, genau jetzt. Es vergeht sowieso. Es kommt und geht, und kommt wieder und geht wieder. Wenn wir daran haften, machen wir es ernst.

Mein erster Lehrer hat immer gesagt: Zu viel Ernst ist der Tod. Du wirst müde, bevor dein Körper überhaupt stirbt. Also bitte, lerne unterwegs ein bisschen zu tanzen. Mach die Taquitos. Gib genug Chili ins Essen. Nimm dir Zeit zu sehen, was dir Freude macht.

Was ist dieses Verlangen, jetzt gerade?